Karl Nolle, MdL

DNN, 22.05.1999

Rücktritte - Nur Kopfschütteln in der SPD Fraktion

Unverständnis für Abgeordnete Mädler und Kehl
 
DRESDEN. CDU-Mitglieder frohlockten schon. Sollte SPD-Chef Karl-Heinz Kunckel kurz nach dem recht gelungenem Wahlkampfstart wieder Ärger in der eigenen Mannschaft blühen? Die Landtagsabgeordneten Thomas Mädler und in seinem Fahrwasser auch Johann Kehl hatten den Rücktritt von ihren Fraktionsämtern erklärt, weil sie bei der Aufstellung der Landesliste für die Wahl am 19. September verhältnismäßig schlecht plaziert worden waren. Aufstand in der Fraktion? Die Landtags- SPD quittierte die Harakiri-Aktion eher mit Unverständnis als mit Solidarität.
Der Leipziger Sportbundpräsident Mädler, der seine Jobs als medien- und sportpolitischer Sprecher niederlegte, aber weder auf seine Kandidatur noch auf seinen mit 650 Mark dotierten Ausschußvorsitz verzichtet, fühlt sich nach eigenen Angaben „in einer Weise beleidigt, wie noch nie in meinem Leben“.
Kunckel hatte erklärt, er habe die Landesliste „nicht nach regionalem Proporz, sondern nach Kompetenz“ aufgestellt. Das will er mit der guten Plazierung der „Seiteneinsteiger“ DGB-Chef Lucassen, Unternehmer Nolle und Ex-Uni-Rektor Weiss demonstrieren. So fand sich Mädler offenbar ohne daß Kunckel vorher mit ihm gesprochen hatte auf Platz 25 wieder, Kehl sogar erst auf 31. Derzeit verfügt die SPD nur über 22 Sitze im Parlament. Kunckel strebt nun aber „32 oder 33 Abgeordnete“ an.
Weil dieses Ziel für halbwegs realistisch gehalten wird, überwiegen in der Fraktion die Stimmen, die Unverständnis über Mädlers Entscheidung äußern. Mädler gilt als Bauchmensch (wofür ihn Kunckel schätzt), seine politische Kompetenz wird indes nicht von allen uneingeschränkt anerkannt, und Forderungen nach einer Zusammenarbeit mit der PDS haben ihm Gegner verschafft. Der Döbelner Unternehmer Kehl ist spätestens seit einem Interview unten durch, in dem er die Abkehr von so ziemlich allen sozialdemokratischen Grundsätzen gefordert hatte.
Für Mädlers Direktkandidatur in einem Wahlkreis im Leipziger Westen hatte sich Kunckel persönlich verwendet. Und über Kehl hat Kunckel intern gesagt, er könne „gar nicht so schnell neue Posten erfinden, wie der Johann sie mir vor die Füße wirft“. Deshalb heißt es in der Fraktion, beide hätten „die Klappe halten“ sollen, dann wären sie ohne viel Aufsehen in den nächsten Landtag gerutscht. Statt dessen stellt man mit Verärgerung fest, daß die beiden mit ihren Klagen die Chancen der Partei kleinreden. Mädler hat obendrein von einem „Einstieg in den Ausstieg aus der Politik“ gesprochen. Das wird seine Chancen, das Leipziger Direktmandat zu erringen, nicht gerade erhöhen. „Der hat sich mit der Aktion selbst ins Knie geschossen“, sagt ein Parteifreund.
(von Sven Siebert)